Kritik am Detailkonzept „Zäme wachse“

Fusion Aarau und Unterentfelden – Argumente gegen den Zusammenschluss

Einleitung

Das Detailkonzept der Fusion Aarau–Unterentfelden (verabschiedet Dezember 2025) wird auf der offiziellen Seite zäme-wachse.ch präsentiert. Es soll die Grundlage für den Zusammenschluss per 1. Januar 2028 bilden. Trotz Beteuerungen von Transparenz und Einbezug der Bevölkerung wiederholt es jedoch Muster aus der Fusion Aarau–Rohr (2010): Viele entscheidende Details sollen erst nach der Volksabstimmung am 27. September 2026 geklärt werden. Stimmberechtigte entscheiden damit also über einen Zusammenschluss, ohne verbindlich zu wissen, wie etwa Schulstandorte, Verwaltungsangebote im Dorf oder Gebühren langfristig ausgestaltet sind.

Wichtig: Die Abstimmung wird damit zu einem Blankoscheck – ohne konkrete Garantien für Schulen, Finanzen, Gebühren oder lokale Identität und ausreichende Mitsprache.

Kritik am Detailkonzept

Das Konzept skizziert zwar organisatorische Leitlinien (Behörden, Personal, Gebäude) und Kooperationen (Schule, Badi, Feuerwehr), vertagt aber die konkrete Umsetzung:

Aus der Fusion mit Rohr (2010) wurden scheinbar keine Lehren gezogen: Dort blieben kulturelle und politische Unterschiede bestehen, parteilose Politiker verschwanden und direkte Demokratie ging verloren. Die ursprüng­lich mit eigenem Wahlkreis garantierte Vertretung von Rohr mit 9 Sitzen im 50-köpfigen Ein­wohner­rat ist bis im 2026 auf nur noch 1 Sitz zusam­men­ge­­schrumpft. 1 Einwohnerrat für das gesamte Quartier «Aarau Rohr» mit 4'288 Einwohnern (eine Zahl, die sehr vergleichbar ist mit den rund 4'500 Einwohnern in Unterentfelden). Wahrlich keine rosigen Aussichten für Unterentfelden, auch wenn Rohr mittlerweile wieder mit 2 Sitzen vertreten ist im Aarauer Einwohnerrat...

Aarau kein Vorbild - kleine Stadtteile haben nichts zu sagen

Die Stadt Aarau hat eindrücklich bewiesen, dass sie im Bereich Schule vor allem Chaos, Unsicherheit und Zerstörung bringt: Nur wenige Jahre nach der Fusion mit Rohr wurde in Aarau (entgegen früher gemachten Versprechen) das Ende der gut funktionierenden Kreisschule Rohr-Buchs besiegelt. Über die Köpfe der Rohrer hinweg wurde die Kreisschule Rohr-Buchs aufgelöst und in die neu gegründete Kreisschule Aarau-Buchs (KSAB) überführt. Die grösste Kreisschule des Kantons Aargau ist dann vor allem durch schlechte Führung, hohe Fluktation und exorbitante Kosten aufgefallen. Im Sommer 2026 ist der Wasserkopf KSAB dann explodiert. In weniger als 10 Jahren hat Aarau gleich zwei Kreisschulen komplett zerstört. Was bedeutet das für die (noch) gut funktionierende Schule Entfelden, die heute von Unterentfelden und Oberentfelden gemeinsam geführt wird? Wie lange es wohl dauern wird, bis Aarau nach einer Fusion mit Unterentfelden auch diese Schule zerstört haben wird? Wenn sich die Aarauer «Vordenker» durchsetzen, so dürfen sich die Unterentfelder Oberstufenschüler auf einen lange Schulweg freuen: Statt sicher ins Dorfzentrum von Oberentfelden geht es dann über den Distelberg hinunter in die Telli, wo die Mammut-Schule geplant ist...

Die Aarauer Telli musste in den letzten Jahrzehnten einiges aushalten. Die stinkende Biogas-Anlage ist nur ein Beispiel unter vielen. Was nun aber der ehemaligen Gemeinde Rohr (seit der Fusion «Aarau Rohr») droht, stellt alles Bisherige in den Schatten: Über die Köpfe der Roher hinweg soll mitten in eine Landschaft von kantonaler Bedeutung, auf wertvollem Kulturland und im wichtigsten Rohrer Naherholungsgebiet eine Mega-Kläranlage entstehen, in der die Abwässer aus mehr als 30 Gemeinden verarbeitet werden sollen.

Heute entscheidet Unterentfelden autonom über Infrastrukturprojekte auf Gemeindegebiet, nach der Fusion werden diese Entscheide in Aarau gefällt werden. Daran ändern auch die in Aarau beliebten «Mitspracheverfahren» nichts.

Der verlockende Klang des tieferen Steuerfusses

Es ist korrekt: Die Stadt Aarau hat für das Steuerjahr 2026 mit 96% einen tieferen Gemeindesteuerfuss als die Gemeinde Unterentfelden mit 113%. Es ist ebenfalls korrekt, dass die Fusionsfreunde behaupten, die Übernahme von Unterentfelden durch Aarau werde keinen Einfluss haben auf den Aarauer Steuerfuss. Tatsache ist, dass Gemeindefusionen unter dem Strich nicht zu tieferen Kosten führen, sondern ein weiteres Aufblasen der Verwaltung begünstigen. Die grössere Verwaltung will finanziert sein, d.h. steigende Kosten und damit höhere Steuerfüsse sind so sicher wie das Amen in der Kirche.

Natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass gewisse Kreise in Unterentfelden (auch im Gemeinderat vertreten...) profitieren werden von einem tiefereren Steuerfuss, auch wenn dieser nur für ein paar Jahre gehalten werden kann. Wer allerdings vertraut ist mit dem Steuersubstrat der Privatpersonen in Unterentfelden und dann nachrechnet (z.B. mit dem kantonalen Steuerrechner), der findet rasch heraus: Mit dem tieferen Gemeindesteuerfuss von 96% (statt 113%) werden

Der Grossteil der Unterentfelder Bevölkerung wird im Falle einer Fusion bei den Steuern also nur wenige Franken sparen. Nach der Fusion kommen auch in Unterentfelden die Reglemente und Tarife der Stadt Aarau zur Anwendung. Vor allem die kleinen Familienbudgets werden die nach der Fusion deutlich höheren Gebühren und Abgaben spüren. Beispiele: Tarifblatt fürs Parkieren auf Aarauer Stadtgebiet, Abfall- und Abwassergebühren, ... Vereine und andere Organisationen werden mit massivem Mehraufwand und vielen zusätzlichen Abgeben belastet (siehe Abfall- und Entsorgungskonzept, Mobilitätskonzept usw.), die schlussendlich umgelagert werden auf die Mitglieder (auch Kinder!).

Aus Sicht Aarau gilt es zu berücksichtigen, dass auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Unterentfelden kostenmässig nichts gespart wird (die bisherigen Gemeindefusionen in der Schweiz sprechen diesbezüglich eine klare Sprache), aber die Erträge werden wegen des tieferen Aarauer Steuerfusses deutlich kleiner ausfallen als heute. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass der Staat tiefere Erträge schlussendlich mit einem höheren Steuersatz auffangen wird. Die Stadt Aarau gefangen werden, der dann aber auf dem ganzen Stadtgebiet von Aarau zur Anwendung kommt. Die Attraktivität Aaraus wird deutlich sinken und Gemeinden wie Erlinsbach (Steuerfuss 89%) dürfen sich schon heute freuen über ihre Steuervorteile gegenüber Aarau, die in Zukunft noch grösser sein werden. Gute Steuerzahler sind mobil!

Hauptargumente GEGEN die Fusion

Fazit

Das Detailkonzept ist eine leicht durchschaubare Marketingbroschüre, die reale Herausforderungen und Risiken komplett ausblendet. Besser, Unterentfelden behält seine Selbstständigkeit – um Fehler wie bei der Fusion mit Rohr zu vermeiden und die direkte Mitsprache zu wahren.

Stand: Januar 2026 – basierend auf öffentlichen Informationen und Kritik aus Medien & Komitees.

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